Anantara New York Palace Budapest: Wohnen über dem schönsten Kaffeehaus der Welt

Fassade des New York Palace am Erzsébet körút im Morgenlicht
Palast · Budapest

Ein Versicherungspalast von 1894 am Großen Ring, im Erdgeschoss das legendäre New York Café, darüber 185 Zimmer und Suiten, darunter ein Spa wie eine Grotte. Das Haus trägt einen Michelin Key, gehört zu den Leading Hotels of the World – und teilt seine berühmteste Adresse mit halb Budapest. Unser Bericht.

Anantara New York Palace Budapest Hotel · BudapestReiseberichtAus eigener Anschauung

Foto: Anantara New York Palace Budapest Hotel

Es gibt Hotels, die man wegen eines einzigen Raumes kennt. In Budapest ist es das New York Café: gedrehte Marmorsäulen, vergoldeter Stuck, Deckenfresken, venezianische Lüster – ein Saal, der eher an eine Opernloge erinnert als an ein Kaffeehaus. Dass sich darüber ein ausgewachsenes Fünf-Sterne-Haus befindet, wissen viele der Besucher, die draußen auf dem Erzsébet körút anstehen, gar nicht. Wir haben im Anantara New York Palace gewohnt und waren angetan: von der Architektur ohnehin, aber auch von der Ruhe, die das Haus hinter der Schauseite entwickelt. Ein paar Dinge sollte man vor der Buchung allerdings wissen.

Ein Versicherungspalast von 1894

Gebaut wurde der Palast als Europazentrale der New York Life Insurance Company – daher der Name, der mit Manhattan sonst nichts zu tun hat. Die Pläne stammen von Alajos Hauszmann, gemeinsam mit Flóris Korb und Kálmán Giergl; der Stil ist jener üppige Eklektizismus aus Neorenaissance, Barock und frühem Jugendstil, mit dem sich das Budapest der Gründerzeit auf Augenhöhe mit Wien sah. Am 23. Oktober 1894 eröffnete im Erdgeschoss das Kaffeehaus, das rasch zum Wohnzimmer der ungarischen Literatur wurde: Redaktionen tagten hier, Dichter schrieben auf Kredit, Tinte und Papier gab es vom Haus.

Das zwanzigste Jahrhundert ging weniger freundlich mit dem Gebäude um. Im Zweiten Weltkrieg wurde es beschädigt, im Sozialismus hieß das Café ab 1954 Hungária, das Haus verfiel zusehends. Erst 1989 kehrte der alte Name zurück. 2001 kaufte die italienische Boscolo-Gruppe den Palast, ließ ihn von Grund auf restaurieren und eröffnete ihn 2006 als Luxushotel. Seit November 2021 führt Anantara das Haus, nach einer weiteren Auffrischung von Zimmern und öffentlichen Bereichen. Heute ist es Mitglied der Leading Hotels of the World, der Guide Michelin hat ihm einen Key verliehen, Forbes Travel Guide führt es als «Recommended».

Das glasüberdachte Atrium mit Lobby-Lounge
Das glasüberdachte Atrium mit Lobby-Lounge · Foto: Anantara New York Palace Budapest Hotel
Eingangsrotunde mit Marmorsäulen und Stuckkuppel
Eingangsrotunde mit Marmorsäulen und Stuckkuppel · Foto: Anantara New York Palace Budapest Hotel

Zimmer: welche Kategorie sich lohnt

185 Zimmer und Suiten verteilen sich auf sechs Etagen rund um das glasüberdachte Atrium. Die Einstiegskategorie Deluxe misst rund 30 Quadratmeter, Premium 40, Grand Premium mit Stadtblick 45 und Grand Premium mit Terrasse 55 Quadratmeter. Darüber beginnen die Suiten: Junior Suite mit 65, Executive Suite mit 80 Quadratmetern, die beiden Präsidentensuiten Ruby und Sapphire mit je 135 Quadratmetern; verbunden mit Nachbarzimmern entstehen bis zu 215 Quadratmeter. Der Stil ist warm und ruhig – Erdtöne, Seidenstoffe, Murano-Lüster, Marmorbäder mit Wanne, in den größeren Kategorien zusätzlich mit separater Dusche. Für ein Stadthotel dieser Epoche sind die Grundrisse bemerkenswert großzügig.

Terrassenzimmer mit Blick über die Dächer von Pest
Terrassenzimmer mit Blick über die Dächer von Pest · Foto: Anantara New York Palace Budapest Hotel

Unser Rat: Wer zwei oder drei Nächte bleibt, ist im Premium oder Grand Premium gut aufgehoben; der Sprung vom Deluxe lohnt sich wegen der spürbar besseren Raumaufteilung. Die Terrassenzimmer in den oberen Etagen sind moderner verglast und schenken dir einen Blick über die Dächer von Pest – für uns die reizvollste Kategorie unterhalb der Suiten. Ab der Junior Suite sind laut Hotel Flughafentransfer und Minibar inkludiert, was den Aufpreis relativiert. Wichtig zu wissen: Der Große Ring ist eine der lebhaftesten Straßen der Stadt, die Straßenbahn fährt direkt vor dem Haus. Wer leicht schläft, bittet um ein Zimmer zur Seite oder zum Atrium.

Das New York Café, das Frühstück und die Poet Bar

Das Café ist der Grund, warum viele überhaupt herkommen – und es hält dem Ruf stand. Der Saal ist schlicht überwältigend, tagsüber spielt ein Pianist, stündlich für eine Viertelstunde eine ungarische Kapelle, serviert werden ungarische Klassiker, Torten und der vielfotografierte Cappuccino mit 24-karätigem Blattgold. Ehrlich gesagt: Kulinarisch ist das solide, nicht mehr, und die Preise sind für Budapest selbstbewusst. Man bezahlt den Raum, und der ist es wert. Zwischen neun und vierzehn Uhr reicht die Schlange oft weit den Boulevard hinunter. Als Hausgast hast du den entscheidenden Vorteil, um sieben Uhr früh oder nach zweiundzwanzig Uhr hinuntergehen zu können, wenn der Saal fast dir gehört. Und dann ist da der Kakao, der hier fast eine eigene Legende ist: eine dick aufgeschlagene, dunkle heiße Schokolade, die man eher löffelt als trinkt und die – anders als vieles auf der Karte – jeden Forint wert ist. Unter Gold, Fresken und Lüstern ist sie das eine, das wir uns ohne Zögern ein zweites Mal bestellen würden.

New York Café: gedrehte Säulen, Goldstuck und Lüster
New York Café: gedrehte Säulen, Goldstuck und Lüster · Foto: Anantara New York Palace Budapest Hotel

Gefrühstückt wird im Deep Water Breakfast Room, der tiefer gelegenen Ebene des Cafés, unter denselben Fresken und Lüstern – Buffet plus Eierspeisen à la carte, in Auswahl und Qualität auf dem Niveau, das man in dieser Klasse erwarten darf. Wähle einen Tisch im historischen Teil; die hinteren Ausweichplätze haben deutlich weniger Atmosphäre. Für Mittag- und Abendessen gibt es den White Salon, eine Brasserie mit modern interpretierter ungarischer und internationaler Küche unter Executive Chef András Wolf, dazu das Atrium in der Lobby für Kleinigkeiten und einen sehr ordentlichen Afternoon Tea zwischen zwölf und achtzehn Uhr.

Deep Water Breakfast Room mit Frühstücksbuffet
Deep Water Breakfast Room mit Frühstücksbuffet · Foto: Anantara New York Palace Budapest Hotel
The Poet Bar auf der Galerie über dem Café
The Poet Bar auf der Galerie über dem Café · Foto: Anantara New York Palace Budapest Hotel

Abends öffnet die Poet Bar, eine kleine Galerie mit Blick auf Stuck und Lüster des Cafés, mit Signature Cocktails und einer umfangreichen Weinkarte – ein guter Anlass, sich durch Tokaj und Villány zu probieren. Für uns der angenehmste Ort des Hauses nach achtzehn Uhr, weil hier die Hotelgäste weitgehend unter sich bleiben. Das ist der Punkt, den man kennen sollte: Das Café gehört zwar zum Gebäude, ist aber eine öffentliche Sehenswürdigkeit mit entsprechendem Andrang. Wer Fotografierende am Nachbartisch als störend empfindet, wird sich im Frühstücksraum gelegentlich daran reiben. Die Hotellobby selbst bleibt davon erfreulich unberührt.

Spa: eine Grotte unter dem Boulevard

Das Anantara Spa liegt im Untergeschoss und ist als Höhlenlandschaft gestaltet: geschwungene Wände, gedämpftes Licht, ein beheiztes, fünfzehn Meter langes Becken, finnische Sauna, Dampfbad, Erlebnisduschen und ein Ruheraum mit Hängesesseln und Teebar. Auf rund 500 Quadratmetern gibt es fünf Behandlungsräume, einen davon für Paare mit eigenem Whirlpool. Auf dem Menü stehen Anantara-Rituale thailändischer Prägung ebenso wie eine Packung mit Thermalschlamm aus Hévíz. Der Zugang ist für Hotelgäste frei, das Fitnessstudio rund um die Uhr geöffnet. Für 185 Zimmer ist die Anlage eher intim; am Wochenende bittet das Haus um Voranmeldung. Geh früh am Morgen oder nach fünfzehn Uhr – Kinder sind nur zwischen elf und fünfzehn Uhr zugelassen, davor und danach ist es still.

Der 15-Meter-Pool im grottenartigen Anantara Spa
Der 15-Meter-Pool im grottenartigen Anantara Spa · Foto: Anantara New York Palace Budapest Hotel

Lage und was man rundherum macht

Das Haus steht im siebten Bezirk, der Erzsébetváros, auf der Pester Seite. Die Metrostation Blaha Lujza tér (Linie M2) liegt wenige Schritte entfernt, die Straßenbahnlinien 4 und 6 halten vor der Tür, der Ostbahnhof Keleti – Ankunftsort der Railjets aus Wien und München – ist einen Kilometer entfernt. Zum Flughafen sind es rund zwanzig Kilometer, je nach Verkehr dreißig bis fünfundvierzig Minuten. Zu Fuß erreichst du das jüdische Viertel mit der Großen Synagoge in gut zehn Minuten, Oper und Andrássy út in einer Viertelstunde. Zur Donau sind es fünfundzwanzig Minuten – oder drei Stationen mit der Metro.

Das ungarische Parlament am Donauufer
Das ungarische Parlament am Donauufer · Foto: Godot13 (Andrew Shiva), CC BY-SA 4.0
Die Kettenbrücke bei Nacht
Die Kettenbrücke bei Nacht · Foto: Wilfredor, CC0

Das ist zugleich die zweite Einschränkung: Wer Budapest vor allem wegen des Donaupanoramas besucht und abends vom Zimmer auf Kettenbrücke und Burg schauen will, wohnt am Fluss besser. Das New York Palace ist die Adresse für das Pest der Kaffeehäuser, Theater und Ruinenbars – städtisch, lebendig, nicht geschniegelt. Unser Programm für zwei Tage: morgens früh zum Parlament und über die Kettenbrücke hinauf zur Fischerbastei, nachmittags ins Széchenyi- oder Rudas-Bad, abends in die Oper, danach ein Glas in der Poet Bar. Die schönsten Monate sind April bis Juni sowie September und Oktober; im Advent hat die Stadt einen eigenen Reiz.

Was es kostet

Budapest bleibt im europäischen Vergleich günstig, und das gilt auch hier. Deluxe-Zimmer beginnen in ruhigen Wochen bei etwa 250 bis 300 Euro, in der Hauptsaison und an Wochenenden liegen sie eher bei 400 bis 500 Euro; Junior Suiten kosten meist das Anderthalb- bis Zweifache. Das Frühstück lohnt es sich mitzubuchen, schon des Raumes wegen. Valet-Parken schlägt mit gut zwanzig Euro pro Nacht zu Buche. Das Haus nimmt an Minor DISCOVERY teil, dem Programm der Minor Hotels innerhalb der GHA-DISCOVERY-Allianz – Statusvorteile und DISCOVERY Dollars gelten also auch hier. Gemessen an vergleichbaren Grandhotels in Wien oder Paris ist das Preis-Leistungs-Verhältnis ausgesprochen gut.

Passt für

Architektur- und Kaffeehausliebhaber, für Paare auf Städtereise, für Opern- und Kulturreisende, für Bahnreisende aus Wien oder München und für alle, die viel Grandhotel für vergleichsweise moderates Geld suchen.

Passt weniger für

Gäste, die Donaublick vom Zimmer erwarten, absolute Ruhe und Diskretion suchen oder sich an Touristenandrang im eigenen Haus stören.
Unser Fazit

Das Anantara New York Palace ist das charaktervollste Grandhotel auf der Pester Seite: ein Gebäude von europäischem Rang, große Zimmer, ein stimmungsvolles Spa und ein Frühstückssaal, den man nicht vergisst. Wer weiß, dass er seine berühmteste Adresse mit der halben Stadt teilt, und sein Zimmer klug wählt, bekommt hier sehr viel Hotel für sein Geld. Für uns eine klare Empfehlung für das erste wie das dritte Budapest-Wochenende.

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Dieser Reisebericht beruht auf unserem eigenen Aufenthalt. Zahlen, Preise und Auszeichnungen haben wir im September 2026 mit den Angaben des Hauses abgeglichen: anantara.com. Sie ändern sich laufend, wir prüfen sie für deinen Reisezeitraum tagesaktuell. Fotos: Anantara New York Palace Budapest Hotel sowie Wikimedia Commons (Urheber und Lizenz jeweils am Bild).

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