Theophil Hansens Weltausstellungsbau am Schottenring ist nach dem Wechsel von Kempinski zu Anantara frisch renoviert: große Zimmer, eine Sterneküche, eine Bar von Format – und spürbar weniger Trubel als an der Oper. Unser Bericht.
Foto: Anantara Palais Hansen Vienna Hotel
Wien hat an Palasthotels keinen Mangel, und die berühmtesten stehen alle am selben Abschnitt der Ringstraße, zwischen Oper und Schwarzenbergplatz. Das Palais Hansen liegt am anderen Ende, am Schottenring, dort, wo der Ring leiser wird und die Stadt sich zum Donaukanal hin öffnet. Genau das macht für uns seinen Reiz aus: ein Haus mit der ganzen Geste der Gründerzeit, aber ohne das Gedränge vor der Tür, ohne Reisegruppen in der Halle und mit einer Ruhe, die man im ersten Bezirk sonst selten findet.
Seit März 2024 führt Anantara das Haus, das davor gut zehn Jahre lang als Palais Hansen Kempinski bekannt war. Die thailändische Marke hat es bis ins Frühjahr 2025 gründlich überarbeitet, und seit Herbst 2025 gehört es zusätzlich zu den Leading Hotels of the World. Unser Eindruck war durchweg gut: ein Haus, das in sich ruht, sehr aufmerksam geführt wird und eine der interessantesten Hotelküchen der Stadt beherbergt. Zwei Dinge solltest du trotzdem vorher wissen – dazu weiter unten.
Als Hotel geplant, 140 Jahre später eröffnet

Der Bau geht auf Theophil Hansen zurück, den Architekten des Parlaments, des Musikvereins und der Börse gleich nebenan. Er entwarf das Palais für die Wiener Weltausstellung 1873 als Hotel; tatsächlich diente der mächtige Neorenaissance-Block dann über Generationen als Wohn- und Amtsgebäude. Erst 2013 zogen wirklich Gäste ein. Wer heute durch das Portal tritt, versteht, was Hansen vorhatte: Die Halle ist ein überdachter Innenhof mit Rundbögen, hellem Stein und Tageslicht von oben – für uns der schönste Raum des Hauses.
Die jüngste Renovierung hat dem Palais gutgetan. Wo früher viel Schwarz, Gold und kühle Eleganz regierten, herrschen nun warme Hölzer, Salbeigrün, Messing und weich gezeichnete Möbel. Der Denkmalschutz setzt den Rahmen, das Neue drängt sich nicht vor. Dass die thailändische Herkunft der Marke nur in Details anklingt – in der Art der Begrüßung, im Spa, in einzelnen Ritualen –, halten wir für die richtige Entscheidung. Es ist ein Wiener Haus geblieben, mit 152 Zimmern und Suiten auf drei Etagen groß genug für einen vollen Betrieb, klein genug für persönliche Aufmerksamkeit.
Zimmer: hohe Decken, ruhiger Schlaf


Schon die Einstiegskategorie Deluxe misst 32 Quadratmeter und blickt in den Innenhof; Premium-Zimmer haben 35, Grand Premium 45 Quadratmeter, die Suiten beginnen bei 53. Allen gemeinsam sind Deckenhöhen von rund dreieinhalb Metern, dreifach verglaste Fenster und Marmorbäder mit getrennter Wanne und Regendusche. Die Bäder stammen in ihrer Substanz noch aus der Kempinski-Zeit – viel Marmor, goldene Akzente, tadellos gepflegt, aber mit wenig Ablagefläche. Die Schlafqualität ist ausgezeichnet: Vom Verkehr auf dem Ring hört man bei geschlossenen Fenstern praktisch nichts.
Unser Rat: Nimm ein Premium-Zimmer mit französischem Balkon zur Ringstraße, möglichst in einem der oberen Stockwerke. Der Aufpreis gegenüber dem Deluxe ist überschaubar, und das Licht und der Blick auf die Alleebäume machen den Unterschied zwischen einem guten und einem besonderen Zimmer. Wer länger bleibt oder mit Kindern reist, ist mit Grand Premium oder einer der kleineren Suiten besser bedient; viele Zimmer lassen sich verbinden. Die Präsidentensuite mit 270 Quadratmetern, erweiterbar auf gut 400, gilt als größte der Stadt – eindrucksvoll, aber eine eigene Preiswelt.
Küche & Bar: ein Stern und eine sehr gute Theke


Das Edvard, benannt nach Hansens zweitem Vornamen, ist der kulinarische Kern des Hauses. Küchenchef Paul Gamauf hält hier einen Michelin-Stern und kocht Menüs, die streng der Saison folgen: viel Gemüse, Gesammeltes und Eingelegtes, ein konsequenter Umgang mit dem ganzen Produkt bis hin zu hausgemachten alkoholfreien Begleitungen. Das klingt programmatisch, schmeckt aber leicht und präzise. Der Raum ist klein und still, geöffnet ist nur abends von Dienstag bis Samstag. Reserviere den Tisch am besten gleich mit dem Zimmer.
Den Alltag bestreiten die Brasserie Sophie und Theo’s Lounge & Bar. In der Brasserie wird gefrühstückt – mit sehr guter Brotauswahl, Eierstation und Gerichten à la carte eines der besseren Hotelfrühstücke Wiens – und tagsüber österreichisch mit leichtem Einschlag gekocht. Theo’s nimmt die halbe Halle ein: vormittags Kaffeehaus, nachmittags Tea Time, abends eine ernsthafte Bar mit einem Rückbuffet unter Messingfächern, das man nicht so schnell vergisst. Für uns der Ort, an dem ein Wiener Abend gut beginnt und noch besser endet.
Spa: Rückzug, kein Schwimmbad

Das Anantara Spa umfasst 800 Quadratmeter mit sechs Behandlungsräumen, finnischer Sauna, Dampfbad, Hammam, einer eigenen Damensauna und einem Fitnessraum mit Technogym-Geräten. Gearbeitet wird mit Valmont und Elemis, dazu kommen die thailändisch geprägten Massagen der Marke, die wir ausdrücklich empfehlen. Ehrlich gesagt sein muss: Der Pool ist ein warmes Hydrobecken zum Entspannen, keines zum Bahnenziehen. Wer morgens schwimmen möchte, wird hier nicht glücklich. Wer nach einem Museumstag eine Stunde Wärme und Stille sucht, sehr wohl. Ab 16 Uhr gehört das Becken den Erwachsenen.
Lage: der ruhige Ring


Der Schottenring ist die geschäftige, unaufgeregte Seite der Ringstraße. Zum Stephansplatz gehst du etwa eine Viertelstunde, zur Staatsoper eher fünfundzwanzig Minuten – oder du nimmst die Straßenbahn, die 150 Meter vor der Tür hält. Die U-Bahn-Station Schottenring mit U2 und U4 liegt 250 Meter entfernt, der Flughafen ist in rund 25 Minuten mit dem Wagen erreicht, der Hauptbahnhof gut fünf Kilometer weit weg. Wer das Hotel als Basis für drei Operntage sucht, wohnt an der Kärntner Straße näher; wer Wien erlaufen will, liegt hier richtig.
Rundherum lohnt sich mehr, als die Reiseführer vermuten lassen: Hansens Börse steht direkt nebenan, Votivkirche, Universität und Rathaus folgen am Ring, über die Freyung und den Hof bist du in wenigen Minuten im ältesten Teil der Stadt. Jenseits des Rings beginnt das Servitenviertel mit seinen kleinen Lokalen, am Donaukanal sitzt man im Sommer am Wasser. Das Hotel selbst organisiert Ausflüge, die über das Übliche hinausgehen – etwa in die Weingärten am Nussberg, wo Wien plötzlich sehr ländlich wird.

Was es kostet
Das Hotel nennt als Einstieg rund 550 Euro pro Nacht für ein Deluxe-Zimmer zu zweit mit Frühstück. In ruhigen Wochen – Jänner bis März, Teile des Hochsommers – sind Raten zwischen 380 und 450 Euro zu finden, rund um Advent, Silvester, Ballsaison und große Kongresse wird es deutlich teurer. Ohne Frühstück gebucht, schlägt dieses mit knapp 50 Euro pro Person zu Buche, der Wagenmeister mit gut 50 Euro pro Tag. Gemessen an Sacher, Imperial oder Rosewood ist das Palais Hansen damit meist die günstigere Adresse – bei größeren Zimmern.
Passt für
Paare und Kulturreisende, die ein großes, ruhiges Zimmer in einem echten Ringstraßenpalais suchen, für Feinschmecker mit Interesse an einer eigenständigen Sterneküche und für alle, die ihren GHA-DISCOVERY- oder Leaders-Club-Status in Wien nutzen möchten.Passt weniger für
Schwimmer, für Gäste, die zu Fuß in fünf Minuten an der Oper sein wollen, und für alle, die das patinierte Alt-Wiener Grandhotel mit Plüsch und Kronleuchtern erwarten.Das Palais Hansen ist das Wiener Palasthotel für Gäste, die Größe ohne Bühne schätzen: hohe, stille Zimmer, eine Halle mit Tageslicht, eine Küche mit Haltung und ein Service, der sich nicht aufdrängt. Wer mit dem kleinen Pool und ein paar Gehminuten mehr zur Oper leben kann, bekommt hier viel Haus fürs Geld. Für uns eine der angenehmsten Adressen an der Ringstraße.
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Wir buchen das Anantara Palais Hansen zu den Konditionen des Hauses für dich; GHA-DISCOVERY-Status und DISCOVERY Dollars werden eins zu eins weitergegeben, Wünsche zu Zimmerlage und Edvard-Reservierung übernehmen wir gleich mit.
Reise anfragenJoin our CommunityDieser Reisebericht beruht auf unserem eigenen Aufenthalt. Zahlen, Preise und Auszeichnungen haben wir im September 2026 mit den Angaben des Hauses abgeglichen: anantara.com. Sie ändern sich laufend, wir prüfen sie für deinen Reisezeitraum tagesaktuell. Fotos: Anantara Palais Hansen Vienna Hotel sowie Wikimedia Commons (Urheber und Lizenz jeweils am Bild).
Text und Recherche unterstützt durch KI




