Four Seasons Hotel George V, Paris: Sechs Sterne unter einem Dach

Four Seasons Hotel George V, Paris: Fassade des George V
Stadt · Paris

Ein Art-déco-Palast von 1928, frisch renovierte Zimmer, drei Restaurants mit zusammen sechs Michelin-Sternen — und ein Wechsel in der Küche, den man kennen sollte. Unser Bericht aus dem 8. Arrondissement.

Four Seasons Hotel George V · ParisReiseberichtAus eigener Anschauung

Foto: Four Seasons Hotel George V, Paris

In Paris gibt es Hotels mit mehr Geschichte, mit mehr Ruhe und mit dem spektakuläreren Blick. Aber wir kennen keines, das so viel gleichzeitig auf so hohem Niveau kann wie das George V. Das Haus an der gleichnamigen Avenue, 1928 als Art-déco-Bau eröffnet und seit Ende 1999 von Four Seasons geführt, trägt seit 2011 den französischen Palace-Titel und im Guide Michelin drei Keys — die höchste Hotelwertung. Man spürt das vom ersten Schritt durch die Drehtür: Hier ist nichts zufällig.

Paris — die Seine am frühen Abend.

Nach der Renovierung

Wichtig für alle, die das Haus von früher kennen: Zwischen 2022 und 2025 wurden sämtliche 243 Zimmer und Suiten bei laufendem Betrieb erneuert, wieder vom Innenarchitekten Pierre-Yves Rochon, der schon den Umbau von 1999 verantwortete. Die Idee ist das Pariser Appartement statt des Hotelzimmers: Vestibül statt Flur, Ankleide, Bibliotheksecke, Versailles-Parkett, Carrara-Marmor, die Technik unsichtbar verbaut. Die alten Klagen über müde Zimmer haben sich damit erledigt — was wir gesehen haben, ist auf dem Stand eines neu eröffneten Hauses.

Eiffel Tower Suite
Eiffel Tower Suite · Foto: Four Seasons Hotel George V, Paris

Die Einstiegskategorie misst 37 bis 40 Quadratmeter — großzügig für Paris, aber kleiner als das Pendant im Ritz. Wer Platz will, ist ab der Premier-Kategorie mit 50 bis 60 Quadratmetern besser aufgehoben; einige Deluxe-Zimmer haben eine eigene Terrasse. Ganz oben liegt das Penthouse mit drei Terrassen und Blick auf den Eiffelturm.

Le Cinq, Le George, L’Orangerie

Das gastronomische Aufgebot ist in Europa ohne Vergleich. Le Cinq hält unter Christian Le Squer 2026 im zehnten Jahr in Folge drei Sterne; serviert wird nach aktuellem Stand nur abends, von Dienstag bis Samstag, und für Herren gilt Sakko-Pflicht. Le George, die italienisch-mediterrane Küche von Simone Zanoni, trägt einen Stern und ist für uns das unkomplizierteste der drei Restaurants — auch mittags geöffnet, auch ohne Anlass richtig.

Restaurant Le Cinq
Restaurant Le Cinq · Foto: Four Seasons Hotel George V, Paris

Die offene Frage ist L’Orangerie. Die zwei Sterne des kleinen Glaspavillons am Marmorhof wurden unter Alan Taudon erkocht, der im Juni 2026 ans Hôtel de Crillon gewechselt ist. Sein Nachfolger Bertrand Noeureuil bringt selbst Zwei-Sterne-Erfahrung mit; ob der Guide 2027 die Wertung bestätigt, wird sich zeigen. Wer genau deshalb bucht, sollte das wissen.

Der Weinkeller liegt rund 14 Meter unter der Erde und fasst etwa 50.000 Flaschen. Hausgäste haben bei Reservierungen in Restaurants und Bar Vorrang — ein Vorteil, den man in einer Stadt, in der Drei-Sterne-Tische Wochen im Voraus vergeben sind, nicht unterschätzen sollte.

Blumen, Hof, Pool

Das Markenzeichen des Hauses sind die Blumen. Jeff Leatham ist seit 1999 künstlerischer Leiter, die Inszenierungen in der Lobby wechseln etwa alle drei Wochen, die Ware kommt wöchentlich aus den Niederlanden. Dahinter liegt der Marmorhof als ruhige Insel im 8. Arrondissement — unser liebster Platz im Haus. Das 2018 neu eröffnete Spa hat einen 17-Meter-Pool — unter den Pariser Palästen keine Selbstverständlichkeit; das Plaza Athénée etwa hat keinen.

Marmorhof mit Blumenarrangements
Marmorhof mit Blumenarrangements · Foto: Four Seasons Hotel George V, Paris
Pool im Spa
Pool im Spa · Foto: Four Seasons Hotel George V, Paris

Lage und Einordnung

Das Haus steht im Goldenen Dreieck zwischen Champs-Élysées, Avenue Montaigne und Avenue George V: ideal für Mode und Geschäftstermine, etwas weiter vom Louvre und vom linken Seine-Ufer entfernt als das Ritz an der Place Vendôme. In der im September 2026 veröffentlichten Liste der World’s 50 Best Hotels fehlt das George V, während Crillon, Le Bristol, Cheval Blanc und Plaza Athénée vertreten sind. Das sagt weniger über die Qualität als über den Charakter: Das George V ist kein Geheimtipp und kein Designstatement, sondern ein großes, betriebsames, sehr professionell geführtes Haus.

Champs-Élysées zur blauen Stunde
Champs-Élysées zur blauen Stunde · Foto: Pierre Blaché, CC0
Die Seine in der Dämmerung
Die Seine in der Dämmerung · Foto: DXR, CC BY-SA 3.0

Was man einpreisen muss, sind zwei Dinge: den Preis — Einstiegsraten bewegen sich je nach Saison und Messekalender zwischen rund 1.200 und deutlich über 2.000 Euro — und den Trubel in der Lobby, vor allem während der Modewochen.

Passt für

Gourmets, besondere Anlässe, Mode- und Geschäftsreisen ins Goldene Dreieck, Familien und Mehrgenerationenreisen, Gäste, denen verlässlicher Service wichtiger ist als Boutique-Atmosphäre.

Passt weniger für

Designpuristen, Ruhesuchende auf der Suche nach einer kleinen diskreten Adresse, Kulturreisende mit Schwerpunkt Louvre und Rive Gauche.
Unser Fazit

Das vollständigste Grandhotel der Stadt. Wer Paris wegen des Essens bucht, findet keine bessere Adresse — und seit der Renovierung auch kein Argument mehr gegen die Zimmer.

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Dieser Reisebericht beruht auf unserem eigenen Aufenthalt im George V. Preise, Zahlen und Personalien haben wir im September 2026 mit den Angaben des Hauses und des Guide Michelin abgeglichen; sie ändern sich laufend, wir prüfen sie für deinen Reisezeitraum tagesaktuell. Fotos: Four Seasons Hotel George V, Paris sowie Wikimedia Commons (Urheber und Lizenz jeweils am Bild).

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