Ein Barockpalais zwischen Zwinger, Schloss und Semperoper, 2024 nach einem Jahr Schließung von Grund auf erneuert wiedereröffnet. Wir haben uns angesehen, was die Renovierung gebracht hat, welche Zimmer sich lohnen und wo das Haus seine Grenzen hat. Unser Bericht.
Foto: Hotel Taschenbergpalais Kempinski Dresden
Es gibt Stadthotels, die gut liegen, und es gibt das Taschenbergpalais. Das Haus steht nicht in der Nähe der Dresdner Altstadt, es ist ein Teil von ihr: Gegenüber liegt das Residenzschloss, nebenan der Zwinger, zur Semperoper sind es drei Minuten zu Fuß. August der Starke ließ das Palais ab 1705 für die Gräfin Cosel errichten, seit 1995 ist es ein Grandhotel, und seit Februar 2024 ist es nach einjähriger Schließung und gründlicher Renovierung wieder geöffnet. Unser Eindruck vorweg: Die Grande Dame hat die Kur gut vertragen. Sie wirkt jünger, leichter und farbiger – und ist dabei erfreulich unaufgeregt geblieben.
Ein Palais mit drei Leben
Die Geschichte des Hauses ist rasch erzählt und doch ungewöhnlich. Ab 1705 als barockes Stadtpalais gebaut, mit einem Säulenportal von Matthäus Daniel Pöppelmann, dem Baumeister des Zwingers, hieß es nach dem Sturz der Cosel zeitweise «Türkisches Palais» und diente später als Residenz der Kurprinzen. In der Bombennacht des 13. Februar 1945 brannte es aus und stand danach fast ein halbes Jahrhundert als Ruine. Erst zwischen 1992 und 1995 wurde es wiederaufgebaut und als erstes Fünf-Sterne-Hotel Sachsens eröffnet. Wer das weiß, sieht Fassade, Innenhof und Hauskapelle mit anderen Augen: Vieles ist rekonstruiert, aber mit Ernst und Können.
Für die Renovierung 2023 holte Kempinski den Berliner Interior-Designer Markus Hilzinger. Sein Leitmotiv hieß „Geschichte neu erzählt“, und das trifft es: Lobby, Zimmer, Suiten und die Pâtisserie wurden komplett neu gestaltet, mit Farben und Mustern, die sich an Dresdner Wahrzeichen anlehnen, ohne ins Kostüm zu kippen. Verbaut wurden durchgehend allergikerfreundliche Materialien, das Haus trägt dafür das ECARF-Siegel. Die Fachwelt hat es honoriert: Der Guide Michelin führt das Taschenbergpalais seit 2024 mit zwei Michelin Keys, und die Royal Suite erhielt 2026 den erstmals vergebenen Merian Award in der Kategorie „Exclusuite“. Für uns ist die Lobby mit ihren Kaminecken der Raum, in dem man den Neuanfang am deutlichsten spürt.

Zimmer & welche Kategorie sich lohnt
180 Zimmer und 31 Suiten verteilen sich um den Innenhof. Die Logik der Kategorien ist einfach: Barock Zimmer mit 25 m², Palais Zimmer mit 35 m², Grand Palais Zimmer mit 43 bis 44 m² – die beiden größeren gibt es jeweils auch „mit Blick“ auf die Wahrzeichen statt auf Seitenstraße oder Hof. Allen gemeinsam sind hohe Decken, Parkett, maßgefertigte Möbel und zeitgemäße Bäder. Unser Rat: Das Barock Zimmer ist für ein Haus dieses Rangs knapp bemessen und eher etwas für Alleinreisende. Das Palais Zimmer ist die solide Wahl, das Grand Palais Zimmer mit Blick der Punkt, an dem Preis und Erlebnis für uns am besten zusammenfinden.

Bei den Suiten beginnt es mit der Junior Suite (53 m², Blick in den ruhigen Hof oder zur Seitenstraße) und der Deluxe Suite (60 m²) mit getrenntem Wohn- und Schlafraum. Wer Aussicht möchte, nimmt eine der nur drei Signature Suiten mit 71 m² und Blick auf das historische Dresden. Darüber wird es fürstlich: Die Queen Suite (161 m²) ist als Hommage an die Gräfin Cosel gestaltet, die King Suite (204 m²) hat einen eigenen Wellnessbereich mit Sauna, und beide zusammen ergeben die Royal Suite mit 380 m², zwei Schlafzimmern und Blick auf Schloss, Zwinger und Theaterplatz. In allen Suiten ist die Minibar inklusive.

Küche & Bar
Zwei Restaurants teilen sich die Abende. Das Palais kocht international-europäisch à la carte, zeitgemäß und ohne Schnörkel; an den Wänden hängt wechselnde Kunst der Walentowski Galerien. Wichtig zu wissen: Geöffnet ist nur von Donnerstag bis Sonntag, und nur abends. Täglich offen hat das Kastenmeiers, das Fischrestaurant des Dresdner Kochs Gerd Kastenmeier, eigenständig geführt und seit Jahren eine feste Adresse der Stadt: Lehmwände, offene Küche, darüber Aquarien mit Forellen, Saiblingen und Hummern, dazu Sushi- und Austernbar. Für uns ist das Kastenmeiers die interessantere der beiden Küchen – reserviere früh, besonders an Opernabenden.


Die Bar 1705, benannt nach dem Gründungsjahr des Palais, gibt sich als Hommage an die Zwanzigerjahre, mit dunklem Holz, langem Tresen und ernstzunehmender Whisky-Auswahl; sie öffnet um 18 Uhr und ist nach der Oper der naheliegende Ort. Tagsüber übernimmt die Amalie Pâtisserie & Lounge, benannt nach Amalie von Sachsen: hauseigene Pâtisserie, klassischer Afternoon Tea, Kleinigkeiten aus der Küche. Das Frühstück wird als Buffet mit frisch zubereiteten Eierspeisen serviert, im Sommer auch im Innenhof; externe Gäste zahlen 45 Euro. Im Winter steht im Hof zudem eine Almhütte mit Käse- und Fleischfondue – rustikal, gesellig und ein hübscher Kontrast zum Palais ringsum.

Eine ehrliche Anmerkung aus unserem eigenen Aufenthalt: Das Palais gehört zu GHA Discovery, und als Titanium-Mitglied wurde uns beim Check-in das Frühstück ausdrücklich als inklusive zugesagt – auf der Rechnung stand es dann trotzdem. Solche Missverständnisse passieren, doch sie zeigen, dass das Haus beim Handling der Status-Vorteile noch verlässlicher werden darf. Unser Rat an Discovery-Mitglieder: Lasst euch die konkreten Leistungen – Frühstück, Upgrade, später Check-out – beim Einchecken kurz bestätigen. Ausdrücklich loben möchten wir dagegen den Concierge, der aufmerksam, herzlich und mit spürbarer Leidenschaft für Dresden bei der Sache war. Ein starkes Haus, dessen Empfang serviceseitig nur noch zur Klasse seines Concierge aufschließen muss.
Spa unter dem Dach
Der Spa liegt im fünften Stock, über den Dächern der Altstadt. Der Pool misst 5 mal 11 Meter bei 28 Grad, daneben gibt es zwei finnische Saunen, Dampfbad und Infrarotkabine. Die Details sind liebevoll sächsisch: In die Decke einer Sauna ist eine große Uhr von C. H. Wolf aus Glashütte eingelassen, eine Wand zeigt den Fürstenzug. Ehrlich gesagt ist das ein angenehmer Hotel-Spa, kein Destination-Spa. Das Becken ist 1,34 Meter tief und eher zum Treibenlassen als zum Bahnenziehen, es gibt feste Kinderbadezeiten am Vormittag und Nachmittag, die Saunen öffnen montags bis donnerstags erst um 14 Uhr, und der Fitnessraum ist klein. Für eine Städtereise reicht das völlig.

Lage & was man rundherum macht
Besser kann man in Dresden nicht wohnen. Zum Residenzschloss mit dem Grünen Gewölbe sind es keine hundert Meter, zum Zwinger mit der Gemäldegalerie Alte Meister etwa 150, zur Semperoper rund 250 Meter; Frauenkirche und Brühlsche Terrasse erreichst du in weniger als zehn Minuten zu Fuß. Man braucht hier schlicht kein Auto und kein Taxi. Unser Rat: Für das Historische Grüne Gewölbe gibt es Zeitfenster-Tickets, die an guten Tagen ausverkauft sind – vorab buchen. Dasselbe gilt für Opernkarten; der Concierge hilft, aber zaubern kann auch er nur mit Vorlauf.

Die Anreise ist unkompliziert: Der Flughafen Dresden liegt rund zehn Kilometer nördlich, mit dem Wagen sind es gut zwanzig Minuten. Zum Hauptbahnhof sind es etwa anderthalb Kilometer, die Straßenbahnhaltestellen Theaterplatz und Postplatz liegen drei bis vier Gehminuten entfernt, und das Haus hat eine Tiefgarage. Aus Berlin und aus Prag ist man mit der Bahn jeweils in gut zwei Stunden da. Für den zweiten oder dritten Tag bieten sich Meißen mit der Porzellan-Manufaktur, Schloss Pillnitz, Moritzburg und die Sächsische Schweiz an – und für Uhrenfreunde Glashütte, eine knappe Autostunde südlich.

Was es kostet
Dresden ist, gemessen an München, Hamburg oder Berlin, im Luxussegment noch immer fair bepreist. In ruhigen Monaten – Januar bis März, abseits des Opernballs – beginnen die Raten bei etwa 220 bis 260 Euro pro Nacht, in der Saison von Mai bis Oktober und im Advent eher bei 300 bis 400 Euro; Portale nennen den Februar als günstigsten und den Dezember als teuersten Monat. Zimmer mit Blick und die Grand-Palais-Kategorien kosten spürbar mehr, Suiten ein Vielfaches. Das Frühstück schlägt mit 45 Euro pro Person zu Buche, sofern es nicht in der Rate enthalten ist. Wochenenden zum Striezelmarkt und rund um den SemperOpernball sind früh vergriffen.
Kempinski gehört zur Global Hotel Alliance, das Programm heißt GHA DISCOVERY: Du sammelst DISCOVERY Dollars, die sich in allen Häusern der Allianz wie Bargeld einsetzen lassen, und erhältst je nach Status Upgrades und späten Check-out nach Verfügbarkeit. Unser Rat zur Planung: mindestens zwei, besser drei Nächte, Oper und Grünes Gewölbe vorab sichern, das Zimmer eine Kategorie größer wählen als gewohnt – und wer es sich aussuchen kann, kommt im späten Frühjahr oder im Dezember, wenn der Striezelmarkt vor der Tür steht und das Haus seinen Charme als Winterquartier ausspielt.
Passt für
Kultur- und Opernreisende, Paare auf Städtereise, Familien mit Anspruch an Platz und Lage, Gäste des SemperOpernballs und des Striezelmarkts sowie alle, die Dresden zu Fuß und ohne Kompromisse bei der Adresse erleben möchten.Passt weniger für
Gäste, die einen großen Destination-Spa oder ein ernsthaftes Gym erwarten, für Liebhaber kleiner Boutique-Häuser mit zwanzig Zimmern und für alle, die puristisches Design dem barock inspirierten Farbenspiel vorziehen.Das Taschenbergpalais war schon vor der Renovierung die erste Adresse in Dresden; jetzt ist es auch wieder ein Haus, das sich mit den besten Stadthotels in Deutschland messen kann. Lage, Zimmer und Atmosphäre überzeugen uns ohne Einschränkung, beim Spa und bei den Öffnungszeiten der Gastronomie sollte man die Erwartungen justieren. Wer Dresden ernsthaft erleben will, wohnt hier richtig.
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Reise anfragenJoin our CommunityDieser Reisebericht beruht auf unserem eigenen Aufenthalt. Zahlen, Preise und Auszeichnungen haben wir im September 2026 mit den Angaben des Hauses abgeglichen: kempinski.com/dresden. Sie ändern sich laufend, wir prüfen sie für deinen Reisezeitraum tagesaktuell. Fotos: Hotel Taschenbergpalais Kempinski Dresden sowie Wikimedia Commons (Urheber und Lizenz jeweils am Bild).
Text und Recherche unterstützt durch KI




