The Westin Miyako Kyoto: Das große Traditionshaus am Hang von Higashiyama

Außenansicht des Hauptgebäudes am Hang von Higashiyama
Kyoto · Higashiyama

Seit 1890 empfängt das Miyako am Fuß der Ostberge Gäste – heute als Westin mit 266 Zimmern, eigenem Onsen und einem Sukiya-Flügel von Togo Murano. Kein Boutique-Juwel, sondern ein sehr gutes, großes Hotel mit Geschichte, Platz und fairen Raten. Unser Bericht.

The Westin Miyako Kyoto · Keage, HigashiyamaReiseberichtAus eigener Anschauung

Foto: The Westin Miyako Kyoto

Kyoto hat in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe kleiner, sehr teurer Häuser bekommen. The Westin Miyako Kyoto spielt ein anderes Spiel: ein großes Hotel am bewaldeten Hang von Keage, seit 1890 in Betrieb, mit Ballsälen, Hochzeitskapelle, Dachgarten und einem eigenen Thermalbad. Wir sagen es gleich zu Beginn, weil es die Erwartung richtig setzt: Westin ist keine Ultra-Luxus-Marke, und dieses Haus will es auch nicht sein. Es ist ein solides, sorgfältig erneuertes Traditionshotel – und genau als solches hat es uns gut gefallen.

Das Haus: 1890, Murano und eine gründliche Verjüngung

Die erneuerte Lobby
Die erneuerte Lobby · Foto: The Westin Miyako Kyoto

Die Geschichte beginnt 1890 mit dem Gartenlokal Kissui-en, aus dem 1900 das Miyako Hotel wurde – über Jahrzehnte die erste Adresse der Stadt für Staatsgäste und prominente Reisende von Albert Einstein bis Prinzessin Diana. Das heutige Hauptgebäude und der japanische Flügel Kasui-en stammen aus der Feder von Togo Murano, einem der wichtigen Architekten der japanischen Moderne; Kasui-en entstand 1959 und gilt als Lehrstück zeitgenössischer Sukiya-Architektur. Eigentümer ist bis heute die Kintetsu-Gruppe, seit 2002 trägt das Haus den Namen Westin.

Zwischen 2018 und April 2021 wurde das Hotel umfassend erneuert; japanische Quellen nennen eine Investition von knapp 20 Milliarden Yen. Wichtiger als die Summe ist, was damit geschah: Aus 499 Zimmern wurden 266, die Durchschnittsgröße stieg von rund 35 auf rund 50 Quadratmeter, dazu kamen das Spa Kacho, ein Dachgarten und neue Restaurants. Die Lobby ist hell, großzügig und zeitgemäß – man merkt dennoch, dass man in einem großen Haus mit Bankett- und Hochzeitsgeschäft wohnt. An Wochenenden ist entsprechend Betrieb.

Zimmer: welche Kategorie sich lohnt

Gästezimmer im Haupthaus mit Blick ins Grüne
Gästezimmer im Haupthaus mit Blick ins Grüne · Foto: The Westin Miyako Kyoto

Die Deluxe-Zimmer messen 38 Quadratmeter und sind damit für Kyoto ausgesprochen geräumig: ruhige Blau- und Grautöne, das Heavenly Bed der Marke, Bad mit getrennter Dusche und Wanne. Zur Wahl stehen der Blick in den Hang von Higashiyama oder – als «Heian-kyo View» – über die Stadt mit dem großen Torii des Heian-Schreins. Unser Rat: die Stadtseite nehmen, sie macht den Unterschied. Wer im Zimmer arbeiten möchte, sollte wissen, dass die Möblierung eher auf Wohnen als auf Schreibtischarbeit ausgelegt ist.

Die Junior Suiten (rund 50 bis 66 Quadratmeter) sind für uns die vernünftigste Wahl im Haus: spürbar mehr Raum, abgetrennter Wohnbereich und in der Regel Zugang zum Westin Club, der Suiten-Gästen und Bonvoy-Mitgliedern ab Platinum vorbehalten ist. Darüber liegen die Luxury Suiten mit 74 bis 87 Quadratmetern, eine japanische Variante mit Tatami-Raum sowie die 138 Quadratmeter große Higashiyama Suite. Der Club ist angenehm, zu Stoßzeiten aber gut besucht – ein Punkt, der in Bewertungen wiederkehrt.

Zimmer im japanischen Flügel Kasui-en
Zimmer im japanischen Flügel Kasui-en · Foto: The Westin Miyako Kyoto
Felsgarten vor dem Kasui-en
Felsgarten vor dem Kasui-en · Foto: The Westin Miyako Kyoto

Die eigentliche Besonderheit ist Kasui-en. Der separate Flügel am Hang zählt nach der Renovierung nur noch zwölf Zimmer zwischen 52 und rund 100 Quadratmetern, jedes anders geschnitten, alle mit Thermalwasser im eigenen Bad. Davor liegt der Felsgarten von Ogawa Hakuyo, Sohn des berühmten Gartenmeisters Ogawa Jihei VII. Hier wohnt man für japanische Verhältnisse fast ryokanartig, schläft aber in Betten statt auf Futons. Wer das Haus von seiner schönsten Seite erleben will und das Budget hat, bucht Kasui-en – es ist eine andere Liga als das Haupthaus.

Küche & Bar

Dominique Bouchet Kyoto «Le Restaurant»
Dominique Bouchet Kyoto «Le Restaurant» · Foto: The Westin Miyako Kyoto

Kulinarisches Aushängeschild ist Dominique Bouchet Kyoto, geführt unter der Handschrift des Pariser Küchenchefs, der einst im Tour d’Argent und im Crillon kochte. Es teilt sich in «Le Restaurant» mit klassisch französischer Küche und einem Keller von rund 300 Positionen sowie «Le Teppanyaki», wo französische Saucen auf die heiße Platte treffen. Beides ist gediegen und handwerklich sauber. Wer nur wenige Abende in Kyoto hat, wird sie allerdings eher in der Stadt bei Kaiseki verbringen – das Hotel selbst führt kein japanisches Spitzenrestaurant.

Das Ganztagesrestaurant Raqou mit offener Küche und weitem Blick über die Stadt trägt das Frühstück: japanisches Set oder Buffet mit frisch zubereiteten Eierspeisen, Nudelsuppen und Onigiri. Die Qualität ist gut; zur Hauptzeit bilden sich Schlangen, früh zu gehen lohnt sich. Die Tea Lounge Mayfair serviert Afternoon Tea, die Bar Rokuza ist ein dunkler, ruhiger Raum für den letzten Drink. Rund um das Hotel ist die Restaurantdichte gering – für das Abendessen fährt man meist ein paar Stationen Richtung Sanjo oder Gion.

Spa Kacho: ein echtes Onsen mitten in Kyoto

Halb offenes Thermalbad im Spa Kacho
Halb offenes Thermalbad im Spa Kacho · Foto: The Westin Miyako Kyoto

Das Spa Kacho ist für uns das stärkste Argument für dieses Haus. Auf rund 2.100 Quadratmetern in den Etagen fünf und sechs fließt Thermalwasser aus einer Quelle auf dem eigenen Grundstück, dem Kyoto Keage Onsen: je ein großes und ein kleines Becken, Jacuzzi, Sauna und ein halb offenes Bad mit Blick auf Wasserfall und Garten, nach Geschlechtern getrennt. Geöffnet ist von 6.30 bis 23 Uhr, für Hotelgäste ohne Aufpreis. Zwei Dinge sollte man wissen: Gäste mit Tätowierungen erhalten keinen Zutritt, und der Poolbereich wirkt deutlich älter als das Spa.

Lage: grün, ruhig, etwas abseits

Keage Incline zur Kirschblüte, wenige Schritte vom Hotel
Keage Incline zur Kirschblüte, wenige Schritte vom Hotel · Foto: KimonBerlin, CC BY-SA 2.0
Okazaki-Kanal mit dem großen Torii des Heian-Schreins
Okazaki-Kanal mit dem großen Torii des Heian-Schreins · Foto: KimonBerlin, CC BY-SA 2.0

Das Hotel liegt in Keage am östlichen Stadtrand, direkt an der gleichnamigen Station der Tozai-Linie. Zu Fuß sind es etwa zehn Minuten zum Nanzen-ji mit seinem Backstein-Aquädukt, kaum länger zur Keage Incline, deren alte Gleise im Frühjahr unter Kirschblüten verschwinden, und zum Heian-Schrein im Museumsviertel Okazaki. Auch Eikan-do und der Philosophenweg sind gut erreichbar. Gion und die Innenstadt liegen wenige U-Bahn-Minuten entfernt. Wer abends spontan durch belebte Gassen schlendern will, wohnt hier allerdings nicht ideal.

Dachgarten mit Blick auf den Heian-Schrein und die Stadt
Dachgarten mit Blick auf den Heian-Schrein und die Stadt · Foto: The Westin Miyako Kyoto

Vom Bahnhof Kyoto fährt ein kostenloser Hotelbus ab dem Hachijo-Ausgang in rund 25 Minuten, dort nimmt ein Schalter auch das Gepäck entgegen; ab dem Flughafen Kansai rechnet man mit dem Haruka-Express bis Kyoto etwa 80 Minuten. Am Haus selbst lohnen der Dachgarten mit Blick über die Stadt, der Garten am Aoi-den von Ogawa Jihei VII. und der steile Vogelpfad, der hinter dem Hotel in den Wald führt. Am 16. August sieht man von hier vier der fünf Bergfeuer des Gozan no Okuribi.

Was es kostet

Im Vergleich zu Aman, Ritz-Carlton, Four Seasons oder Park Hyatt ist das Miyako moderat bepreist. Deluxe-Zimmer liegen außerhalb der Hochsaison meist zwischen etwa 45.000 und 75.000 Yen pro Nacht, also grob 270 bis 450 Euro; zur Kirschblüte und zur Laubfärbung im November verdoppeln sich die Raten leicht. Junior Suiten beginnen in ruhigen Wochen um 90.000 Yen, Kasui-en deutlich darüber. Bonvoy-Punkte lassen sich einlösen, Status zählt – ab Platinum Elite gehört der Club-Zugang dazu. Unser Rat: Januar bis Anfang März oder Juni buchen und das Gesparte in eine Junior Suite stecken.

Passt für

Kyoto-Wiederkehrer, Familien und Paare, die Platz, Ruhe, Grün und ein echtes Onsen einem Boutique-Konzept vorziehen, für Bonvoy-Mitglieder mit Status – und für Architekturliebhaber, die Muranos Kasui-en erleben möchten.

Passt weniger für

Erstbesucher, die mitten im Geschehen von Gion oder Kawaramachi wohnen wollen, für Gäste mit Tätowierungen, denen das Onsen wichtig ist, und für alle, die die Intimität und den Servicegrad eines Aman oder Ritz-Carlton erwarten.
Unser Fazit

The Westin Miyako Kyoto ist kein Haus der allerersten Reihe und gibt auch nicht vor, eines zu sein – Forbes führt es als «Recommended», nicht mit Sternen. Dafür bietet es, was in Kyoto selten geworden ist: viel Platz, eine grüne, ruhige Lage, ein echtes Onsen und 130 Jahre Geschichte zu vernünftigen Raten. Für uns eine ehrliche Empfehlung für alle, die wissen, was sie buchen.

Aktuell im Angebot

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Dieser Reisebericht beruht auf unserem eigenen Aufenthalt. Zahlen, Preise und Auszeichnungen haben wir im September 2026 mit den Angaben des Hauses abgeglichen: marriott.com · The Westin Miyako Kyoto. Sie ändern sich laufend, wir prüfen sie für deinen Reisezeitraum tagesaktuell. Fotos: The Westin Miyako Kyoto sowie Wikimedia Commons (Urheber und Lizenz jeweils am Bild).

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