Stadt · Hamburg

Zwei Nächte an der Binnenalster. Mit einem Restaurant Haerlin, das zwei Michelin-Sterne sehr ernst nimmt, und einer Bibliothek, die nach Tabak riecht, obwohl seit Jahrzehnten nicht mehr geraucht wird.

Hotel Vier Jahreszeiten · HamburgOktober 20252 Nächte★★★★½ (4.5/5)

Hamburg hat eines dieser Hotels, die zur Stadt gehören wie der Hafen und der Regen: das Vier Jahreszeiten. Wir saßen am Freitag um 16:30 Uhr in der Bibliothek-Bar — Kaminfeuer, Lederfauteuils, eine englische Karte, und draußen leichter Niesel über der Binnenalster. Das genau ist die Hotelgrenz-Erfahrung, für die man nach Hamburg fährt.

Wir hatten eine Junior-Suite mit Alster-Blick. Die Zimmer sind gerade in einer fünfjährigen Renovierung gewesen, und das Ergebnis ist genau richtig — die Vier-Jahreszeiten-Eleganz erhalten, aber Bäder, Beleuchtung, Stoffe auf zeitgenössischem Niveau. Kein Boutique-Spagat. Hanseatisch.

Restaurant Haerlin hat zwei Michelin-Sterne, und das Menü kostet 295 € für sieben Gänge ohne Weinbegleitung. Wir nahmen die korrespondierenden Weine dazu und landeten bei knapp 1.000 € für zwei Personen. War das wert? Ja. Christoph Rüffer kocht klassisch-französisch mit deutschem Verständnis für Maß, der Service ist ohne Affektion. Die Reservierung mindestens vier Wochen im Voraus — Hamburg ist hier strenger als Berlin.

Eine Empfehlung, die in keinem Reiseführer steht: das Frühstück im Wintergarten ist 50 % billiger als im Haerlin (selbiges Haus, anderes Konzept), und es ist exzellent. Eierspeisen á la carte, hausgemachte Backwaren, eine Käsetheke, die gegen jedes Pariser Hotel ankommt. Wir frühstückten dort am zweiten Morgen mit Blick auf die Alster — zweieinhalb Stunden, ohne dass jemand uns auch nur einmal gehetzt hätte.

Was nicht so gut funktioniert: der Spa-Bereich ist klein und renovierungsbedürftig. Für Wellness fährt man in Hamburg eigentlich nicht hierher, sondern in die A-ROSA in Travemünde. Hier kommt man wegen der Stadt, der Suite, des Restaurants und dieser Bibliothek mit Kamin.

Bildmaterial: Wikimedia Commons

Verdikt

Hamburgs definitive Adresse. Eine norddeutsche Eleganz, die man in München nicht findet — und umgekehrt.


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