Zwei Nächte an der Binnenalster. Mit einem Restaurant Haerlin, das zwei Michelin-Sterne sehr ernst nimmt, und einer Bibliothek, die nach Tabak riecht, obwohl seit Jahrzehnten nicht mehr geraucht wird.
Hamburg hat eines dieser Hotels, die zur Stadt gehören wie der Hafen und der Regen: das Vier Jahreszeiten. Wir saßen am Freitag um 16:30 Uhr in der Bibliothek-Bar — Kaminfeuer, Lederfauteuils, eine englische Karte, und draußen leichter Niesel über der Binnenalster. Das genau ist die Hotelgrenz-Erfahrung, für die man nach Hamburg fährt.
Wir hatten eine Junior-Suite mit Alster-Blick. Die Zimmer sind gerade in einer fünfjährigen Renovierung gewesen, und das Ergebnis ist genau richtig — die Vier-Jahreszeiten-Eleganz erhalten, aber Bäder, Beleuchtung, Stoffe auf zeitgenössischem Niveau. Kein Boutique-Spagat. Hanseatisch.
Restaurant Haerlin hat zwei Michelin-Sterne, und das Menü kostet 295 € für sieben Gänge ohne Weinbegleitung. Wir nahmen die korrespondierenden Weine dazu und landeten bei knapp 1.000 € für zwei Personen. War das wert? Ja. Christoph Rüffer kocht klassisch-französisch mit deutschem Verständnis für Maß, der Service ist ohne Affektion. Die Reservierung mindestens vier Wochen im Voraus — Hamburg ist hier strenger als Berlin.
Eine Empfehlung, die in keinem Reiseführer steht: das Frühstück im Wintergarten ist 50 % billiger als im Haerlin (selbiges Haus, anderes Konzept), und es ist exzellent. Eierspeisen á la carte, hausgemachte Backwaren, eine Käsetheke, die gegen jedes Pariser Hotel ankommt. Wir frühstückten dort am zweiten Morgen mit Blick auf die Alster — zweieinhalb Stunden, ohne dass jemand uns auch nur einmal gehetzt hätte.
Was nicht so gut funktioniert: der Spa-Bereich ist klein und renovierungsbedürftig. Für Wellness fährt man in Hamburg eigentlich nicht hierher, sondern in die A-ROSA in Travemünde. Hier kommt man wegen der Stadt, der Suite, des Restaurants und dieser Bibliothek mit Kamin.
Bildmaterial: Wikimedia Commons
Hamburgs definitive Adresse. Eine norddeutsche Eleganz, die man in München nicht findet — und umgekehrt.

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