Zwei Nächte in der Klassiker-Adresse am Brandenburger Tor. Über das Frühstück, das man hier nicht ausfallen lässt — und warum die Junior-Suite vorne mehr ist als ihr Preis.
Es gibt Hotels, die man besucht. Und es gibt Hotels, in denen man frühstückt. Das Adlon ist beides, aber das zweite ist der Grund. Wer einmal seine Croissants im Morgenlicht des Pariser Platzes nimmt — gegenüber der Quadriga, mit dem leichten Klirren der Servierwagen und dem nahezu lautlosen Ballett des Service —, der versteht sehr genau, weshalb dieses Haus seit über hundert Jahren das, was sich gehört, einfach macht.
Wir hatten eine Junior-Suite zur Vorderseite. Das war die einzige Frage, die wir vor der Buchung wirklich diskutiert haben — Hofseite oder Pariser Platz. Die Antwort ist eindeutig: vorne. Man zahlt etwa 150 Euro mehr pro Nacht, aber dafür bekommt man eines der schönsten Stadtfenster Mitteleuropas. Zwei hohe Doppelflügel, kleiner Balkon, Vorhänge in einer Farbe, für die es kein deutsches Wort gibt — irgendetwas zwischen Champagner und gedämpftem Gold.
Das Restaurant Lorenz Adlon Esszimmer hat seinen Stern verloren, aber das Frühstück im Quarré ist nach wie vor eine Lehrstunde in deutscher Hotellerie. Wir saßen am Fenster, der Pflaumenwein war Hausmarke, der Kellner kannte unseren Namen am zweiten Morgen. So einfach ist das.
Was wir nicht erwartet haben: dass uns die Bar im Erdgeschoss am zweiten Abend mehr begeistert als das Sterne-Restaurant in der ersten Etage. Die Adlon Lobby Lounge spielt um zehn Uhr abends Pianomusik, die nicht hinterher klingt, und der Barchef kennt das Konzept des kleinen, perfekten Negroni-Sbagliato. Ein Adlon ohne Adlon-Pomp.
Der einzige echte Kritikpunkt: das Spa ist klein, im Untergeschoss, und sieht aus wie der Wellnessbereich einer regulären Kette. Wer Spa-Reisen plant, fährt nach Baden-Baden. Wer Berlin-Wochenenden plant, bleibt hier.
Bildmaterial: Wikimedia Commons
Berlin-Klassiker, und er hat seinen Status verdient. Die Suite-Lage entscheidet, ob es nett oder unvergesslich wird.

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