Drei Nächte gegenüber der Staatsoper, mit Stuck, Sachertorte zum Frühstück und einer Lobby, in der man hörte, wenn Karl Habsburg eintreten würde. Eine Hommage an das Wien, das es noch gibt.
Es kostet ein paar Versuche, das Sacher richtig zu lesen. Man glaubt, es geht hier um die Sachertorte. Tatsächlich geht es um etwas anderes: um die Frage, was passiert, wenn ein Haus von einer Familie geführt wird, deren einzige Sorge seit 1832 darin besteht, dass nichts unterhalb des eigenen Anspruchs serviert wird.
Wir hatten eine Originalsuite, also eines der Zimmer mit dem echten Stuck — kein nachgemachter, sondern der von 1876, der noch einmal restauriert, aber nie ersetzt worden ist. Doppelflügeltüren, Kronleuchter, ein Schreibtisch, an dem man nicht arbeiten will, weil man Angst hat, ihn zu beleidigen. Die Suite zur Kärntner Straße zu nehmen ist Pflicht — man hört abends die Pferdekutschen heimfahren, das ist kein Klischee, das ist Wien.
Frühstück im Restaurant Rote Bar: Eines der wenigen Hotelfrühstücke der Welt, das man nicht beendet, weil man satt ist, sondern weil man sich schämt, noch eine Sachertorte zu bestellen. Hauseigene Marmeladen, der Wiener Kaiserschmarrn auf der Karte, die Sektkellnerin, die sich im Vorbeigehen erkundigt, ob alles gut sei — beiläufig, wie bei Verwandten.
Die Lage ist konkurrenzlos. Drei Minuten zur Albertina, einer zur Oper, zehn zum Belvedere. Wir gingen am zweiten Abend zu Fuß zum Burgtheater — die Schwerstarbeit der Wiener Innenstadt wird durch das Sacher zur reinen Spazierangelegenheit.
Was nicht klassisch ist: die Sacher-Bar im Erdgeschoss ist überraschend mondän, gutes Mixologie-Niveau, kein Touristenbarmuseum. Nach dem Theater dort einen Cocktail, danach mit dem Lift in die Suite — das ist der Sacher-Algorithmus.
Bildmaterial: Wikimedia Commons
Wenn ein Hotel und eine Stadt einander definieren — das Sacher ist Wien, Wien ist das Sacher.

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