Vier Nächte in der Klippen-Adresse von Positano. La Sponda bei Kerzenlicht, ein Bootsausflug nach Capri, der Pool über dem Meer, der einen das Verb ’schwimmen‘ neu definiert.
Es gibt einen Moment, in dem man am Pool des Le Sirenuse steht, dreht sich kurz nach Süden und sieht die ganze Bucht von Positano in einer einzigen Sichtachse — die roten und gelben und weißen Häuser, die Klippen, das Mittelmeer, die Inseln am Horizont. Dann versteht man, wofür die Sersales (die Eigentümerfamilie seit 1951) etwas getan haben, das in der italienischen Hotellerie keine Selbstverständlichkeit ist: sie haben den Schauplatz nicht versteckt, sondern zu sich genommen.
Wir hatten eine Junior-Suite zum Meer im vierten Stock — das ist die optimale Etage, hoch genug für den Panorama-Effekt, niedrig genug, um den Wellenklang zu hören. Die Terrasse war groß genug für zwei Liegestühle und einen Frühstückstisch. Wir nahmen zwei der vier Frühstücke dort draußen — der Service kommt mit Wagen, drei Servierkräfte, ein Korb mit hausgemachten Cornetti, frischer Mozzarella von der Halbinsel, Cappuccini, ein Tablett mit Obst, das die ganze Saison ausmacht.
La Sponda, das hauseigene Restaurant mit einem Michelin-Stern, ist die wichtigste Reservierung der ganzen Woche. Tisch 31 oder 32 (am Geländer zum Meer) muss zwei Wochen im Voraus erfragt werden. Das Restaurant wird abends ausschließlich von Kerzen erleuchtet — etwa 400 Kerzen pro Abend, sagt der Sommelier. Das Menü ist klassisch süditalienisch mit moderner Hand: gegrillter Pulpo, hausgemachte Casarecce mit Meeresfrüchten, ein gegrillter Branzino zum Teilen. Wir nahmen alle vier Abende dort.
Tagsüber: der Pool. Ein wirklich außergewöhnlich gestalteter Infinity-Pool, der oberhalb der Steilküste schwebt. Liegestühle nummeriert; die Nummern 1-4 sind direkt am Rand und werden um 9 Uhr morgens belegt sein, also entsprechend planen. Der Pool-Service serviert Aperol Spritzes wie eine Religion — aber die Hotel-Limonade aus eigener Zitronenproduktion am Berghang ist eine Offenbarung.
Was wir uns geleistet haben: ein Privatboot für einen Tag (€ 1.200) nach Capri und Nerano. Vom Hassler-Pier des Hotels aus mit Skipper. Capri am Vormittag (nicht später, dann sind die Tagestouristen da), Nerano zum Mittagessen bei Lo Scoglio (Spaghetti alle Zucchine, das einzige Gericht, für das man eigentlich auch die ganze Reise unternommen hätte). Zurück um 17 Uhr, Aperitif am Pool, Le Sirenuse-Algorithmus.
Eine Warnung, die niemand sagt: die Treppen. Le Sirenuse ist Klippen-Architektur. Es gibt einen Aufzug, aber er deckt nicht alles ab — Sie werden täglich mehrere kleine Treppen-Etagen nehmen müssen. Wer Mobilitätsprobleme hat, muss das vor der Buchung mit dem Hotel klären.
Bildmaterial: Wikimedia Commons
Wahrscheinlich das schönste Hotel Europas. Eine Lebens-Reise; man fährt nicht weniger als vier Nächte hin.

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